Ranger, Australien

Uranbergbau
Radioaktiver Abraum wird in offenen Sammelbecken gelagert und enthält immer noch mehr als 80 % der ursprünglichen Radioaktivität des Uranerzes. Seit 1981 sind mehr als 120 Dammbrüche mit Austritten von radioaktiv verseuchtem Wasser in die Umgebung gezählt worden. Foto: Green MPs / creativecommons.org/licenses/by-nc-nd

Die Ranger Uranmine ist ein großer Urantagebau inmitten des Weltkulturerbes des Kakadu Nationalparks. Zahlreiche Lecks und Unfälle haben in den vergangenen Jahren die Marschlandschaft des Parks radioaktiv verseucht. In der indigenen Bevölkerung der Mirarr Aborigines wurden bereits erhöhte Krebsraten gefunden. Weitergehende Studien wurden bislang jedoch nicht durchgeführt.

Foto: Radioaktiver Abraum wird in offenen Sammelbecken gelagert und enthält immer noch mehr als 80 % der ursprünglichen Radioaktivität des Uranerzes. Seit 1981 sind mehr als 120 Dammbrüche mit Austritten von radioaktiv verseuchtem Wasser in die Umgebung gezählt worden. Foto: Green MPs / creativecommons.org/licenses/by-nc-nd

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Hintergrund

Energy Resources of Australia Ltd, eine Tochterfirma des global agierenden Bergbauunternehmens Rio Tinto, nahm 1980 den Betrieb der Ranger Uranmine auf. Die Mine fördert im Jahr etwa 4.000 Tonnen Uranoxid, produziert dafür aber im gleichen Zeitraum ungefähr 1,5 Millionen Tonnen radioaktiven Abraum. Dieser wird in offenen Sammelbecken gelagert und enthält immer noch mehr als 80 % der ursprünglichen Radioaktivität des Uranerzes. Um die Verwehung von radioaktivem Staub und Radongas zu verhindern, müssen diese Atommüllberge mit einer zwei Meter hohen Wassersäule bedeckt werden. In der Trockenzeit ist das nicht immer gewährleistet und radioaktiver Staub wird aufgewirbelt und mit dem Wind davon getragen. Während der Regenzeit werden die Dämme der Sammelbecken häufig überflutet, sodass kontaminiertes Wasser in die Umwelt gelangt. Seit 1981 sind mehr als 120 Dammbrüche mit Austritten von radioaktiv verseuchtem Wasser in die Umgebung gezählt worden. Im Jahr 2004 wurde die Mine vorübergehend geschlossen, nachdem bekannt geworden war, dass Arbeiter Wasser getrunken hatten, dessen Radioaktivität die gesetzlich zulässigen Grenzwerte um das 400-fache überstieg. Im Jahr 2009 gelangten durch einen Dammbruch über sechs Millionen Liter radioaktiv kontaminiertes Wasser in den Gulungul Bach im Nationalpark. 2011 wurden für sechs Monate alle Arbeiten in der Mine eingestellt, da der Damm eines Abraumbeckens überzulaufen drohte. Das geförderte Uran wird in der Regel in offenen Lastwagen durch den Kakadu Nationalpark transportiert. Dass es dabei zur gelegentlichen Kontamination des Regenwaldes kommt, ist eine weitere Gefahr für das empfindliche Ökosystem des Parks.

Folgen für Umwelt und Gesundheit

Umweltaktivisten und Aborigines sorgen sich schon lange um die Verseuchung von Australiens berühmtesten Regenwald. Im Jahr 2009 stellte der von der Regierung eingesetzte Wissenschaftler für die Umwelteinflüsse der Ranger Uranmine, Alan Hughes, fest, dass jeden Tag etwa 100.000 Liter Abwässer in die Böden und das Grundwasser des Kakadu Nationalparks fließen – samt giftiger Schwermetalle, toxischer Chemikalien und radioaktiver Substanzen wie Radium und Uran. Die Verseuchung von Wasserlöchern und Wildbestand vergiftet dabei die Trinkwasserreserven und Nahrungsquellen der indigenen Mirarr Aborigines.

Dass auch schon geringe Mengen radioaktiver Strahlung mit einem erhöhten Risiko für die menschliche Gesundheit einhergehen, ist hinlänglich bekannt. Eine Untersuchung des Australischen Forschungsinstituts für Indigene Studien fand in den Jahren 2005 und 2006 einen um 90 % signifikant erhöhten Anstieg der Krebsrate unter den Ureinwohnern des Kakaduparks. Die radioaktive Verseuchung durch die Ranger Mine ist eine der offensichtlichsten Erklärungen für diese Krebsepidemie, allerdings müsste dies durch epidemiologische und ökologische Studien untersucht werden. Die Gundjeihmi Aboriginals Corporation, die das Volk der Mirarr vertritt, fordert schon seit Langem solche Studien, um die radioaktive Kontamination des Parks und die Zusammenhänge mit Totgeburten, Missbildungen und Krebsfällen zu untersuchen, die sich seit Beginn des Uranabbaus in der Lokalbevölkerung mehren.

Ausblick

Ursprünglich war geplant, die Ranger Uranmine 2008 zu schließen. Die Betreiberfirma sprach sich jedoch dafür aus, die Mine bis 2020 weiterzuführen. Durch chemische Auswaschprozesse könne man noch zusätzliche 11.000 Tonen Uran aus dem schwach konzentrierten Erz gewinnen. Dieses Vorhaben wurde 2011 jedoch erfolgreich durch die starke Opposition von Aborigines-, Umwelt- und Gesundheitsorganisationen fallen gelassen. Auch im nahe gelegene Ort Jabiluka sollten Uranminen eröffnet werden. Eine international unterstütze Kampagne der Mirarr-AktivistInnen konnte das Projekt jedoch vorerst verhindern. Es gibt bis heute keine konkreten Pläne, die Umweltbelastungen und gesundheitlichen Konsequenzen des Uranbergbaus in der Region zu untersuchen, geschweige denn einzudämmen. Am 7. Dezember 2013 kam es zu einem erneuten Leck von ca. einer Million Litern radioaktivem Abfall. Die Mine wurde daraufhin vorerst geschlossen. Die Menschen des Kakadu Nationalparks sind weiterhin Hibakusha – Opfer der Atomindustrie und ihrer Gier nach billigem Uran.

Quellen

-12.682545, 132.91054